Du kennst das bestimmt auch: Du schickst jemandem eine Sprachnachricht und wenn du dir diese selbst nochmal anhörst, klingt deine Stimme anders als sonst.
Hi, ich bin Havoc. Ich hab keinen Doktortitel, beschäftige mich aber trotzdem mit alltäglichen Phänomenen, bei denen wir uns öfter fragen, wie sie entstehen. Heute erkläre ich dir, warum deine Stimme in Aufnahmen anders klingt, während andere Menschen immer gleich klingen.
Übrigens: Für andere Menschen klingst du auch immer gleich!
Liegt es am Handy?
Kurze Antwort: Nein, es liegt nicht am Handy. Du hast zwar vielleicht schon mal was vom Mobile-Phone-Effect gehört, aber da geht es um was ganz Anderes (nämlich die Frequenzübetragung bei Telefonaten, das interessiert uns jetzt grad aber nicht). Deine Stimme klingt ja nicht nur bei Sprachnachrichten seltsam, sondern bei jeder Aufnahme. Das Zauberwort ist hier die Schallübertragung. Genauer geht es darum, auf welchem Weg dieser Schall übertragen wird.
Luftleitung vs. Knochenleitung
Schall breitet sich wellenförmig aus. Die Schallwellen, die unsere Ohrmuschel (die wie ein Trichter funktioniert) auffängt, gelangen dann durch den äußeren Gehörgang an unser Trommelfell. Das ist die Grenze zum Mittelohr. Das Trommelfell wird dadurch in Schwingung versetzt.
Im Mittelohr haben wir dann die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel (die gehören übrigens zu den kleinsten Knochen im menschlichen Körper). Die drei winzigen Knochen sind miteinander und mit dem Trommelfell verbunden. Dadurch, dass das Trommelfell durch die Schallwellen schwingt, bewegen sich auch die Gehörknöchelchen.
An der Grenze zum Innenohr wird diese Bewegung durch das ovale Fenster an die Gehörschnecke übertragen. Dort werden die Schwingungen in Signale umgewandelt, die das Gehrin verarbeiten kann.
Wenn wir uns mit einem Menschen unterhalten, hören wir die Stimme des Gesprächspartners ganz normal. Der Sprachschall wird hier über Luftleitung übertragen.
Bei der Luftleitung kommt im Innenohr nur der Schall an, der sich den Weg durch unseren äußeren Gehörgang gebahnt hat.
Wenn wir jetzt aber selber sprechen, passiert noch zusätzlich etwas Anderes:
Durch das Sprechen, also wenn die Luft im Kehlkopf in Schwingung versetzt wird, beginnt auch unser Körper zu schwingen. Nicht so, dass man es sieht, also du fängst nicht an zu wackeln oder so. Aber zumindest so, dass dein Innenohr, also der Teil, in dem die Schwinungen in Signale für das Gehirn umgewandelt werden, es bemerkt. Da über die Knochenleitung vor allem tiefe Töne übertragen werden, hört sich deine Stimme für dich selbst "satter" an.
Die Knochenleitung ist übrigens auch dafür verantwortlich, dass du dich selbst noch laut sprechen hörst, obwohl du dir die Ohren zuhältst.
Was hat das jetzt mit der Tonaufnahme zu tun?
Wenn du deine Stimme in einer Aufnahme hörst, ist es so, als würde ein anderer Mensch mit dir sprechen. Die Schallquelle, also das, was die Schallwellen verursacht, ist nicht in deinem Körper, kann also deine Muskeln und Knochen nicht in Schwingung versetzen. Du hörst deine eigene Stimme dann nur über die Luftleitung - genau so, wie dich jeder andere Mensch auch hört. Du musst dir also keine Sorgen machen, dass sich deine Sprachnachrichten für den Empfänger komisch anhören - der hört deine Stimme genauso wie immer!
Fun Fact
Dieses Thema stammt übrigens tatsächlich aus meinem Studium. Phonetik ist ein Teilbereich der Linguistik und mit der Akustik/akustischen Phonetik wird hier eine Brücke zur Physik geschlagen!
Na, bist du jetzt wieder schlauer geworden oder wusstest du das vorher schon? Welches Phänomen soll ich als nächstes unter die Lube nehmen?




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